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Viele Fragen zu "Vorzeigeprojekt" Ludwigshöfe: Investoren Sebastian und Stefan Johann bestreiten finanzielle Probleme trotz hoher Mehrkosten - Fertigstellungstermin auf August/September 2018 verschoben
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SPEYER | Uebersicht Speyer
Freitag, den 25. Mai 2018 um 12:12 Uhr
Von Klaus Stein
Auf den ersten Blick sieht alles gut aus. Schaut man allerdings etwas genauer hin, dann bröckelt hier und da der Putz ab, schauen Zipfel von Dichtungen heraus und laufen seit Monaten Trocknungsgeräte in einer der neuen Wohnungen. Die Ludwigshöfe in der Speyerer Ludwigstraße sind ein historisches, denkmalgeschütztes Gebäudeensemble im spätbarocken Stil, das in die Jahre gekommen war. Teilweise war das der Stadt gehörende Objekt jahrelang ungenutzt. Im Speyerer Stadtrat gab es hitzige Debatten über die Zukunft dieses städtebaulich sensiblen Innenstadtbereichs. "Stiftungskrankenhaus und Ludwigstraße 13 gehören für uns zusammen", so beispielsweise SPD-Sprecher Walter Feiniler im Mai 2013 im Stadtrat.

Die Ratsmehrheit vertrat eine andere Auffassung und so kam es zum Verkauf der Ludwigshöfe an einen Investor, die "ZSI GmbH". Dahinter stehen heute Sebastian Johann und sein Sohn Stefan. Ursprünglich war auch noch Jutta Kuttler mit 50 Prozent beteiligt. Jutta Kuttler und ihr Ehemann Wilhelm betreiben ein Bauunternehmen und haben als Bauträger zahlreiche Objekte erfolgreich durchgeführt. Sie sind auch die neuen Investoren beim Bistumshaus St. Ludwig (wir berichteten).
Ende November 2017 sind die Kuttlers aus dem Projekt "Ludwigshöfe" ausgeschieden. "Wir sind uns nicht mehr einig geworden, wie man mit Kunden, Handwerkern und den Behörden umgeht - wir waren da nicht so aggressiv sondern wollten das deutlich defensiver handhaben", begründete Wilhelm Kuttler auf Nachfrage den Ausstieg.
Anlass zu Recherchen war ein anonymes Schreiben, das breit verteilt worden war und auch in der speyer-aktuell Redaktion landete. Die darin gemachten Angaben ließen auf Insiderwissen schließen. Erste Nachforschungen bestätigten, dass die erhobenen Vorwürfe zumindest teilweise Substanz hatten.
In einem Fragenkatalog baten wir am 14. Mai die "ZSI GmbH", schriftlich Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Man zierte sich, Sebastian Johann drang auf ein persönliches Gespräch. Letztlich kamen wir diesem Ansinnen nach und trafen Vater und Sohn Johann am 23. Mai in deren Geschäftsräumen in der St.-Markus-Straße. Mehr als ungewöhnlich war, dass die Johanns der Meinung waren, einen Fachanwalt für Wirtschaftsstrafrecht hinzuziehen zu müssen. Es wurde allerdings versichert, dass es nicht wegen unserer Recherchen sei. Außerdem war ein Käufer sozusagen als Leumundszeuge dabei, ein anderer hatte sich bereit erklärt, sich wenn gewünscht von Spanien aus telefonisch hinzu schalten zu lassen. Von beiden Seiten wurde das Gespräch aufgezeichnet.

Fragen zu Fertigstellungstermin
"Die ZSI wird das Projekt fertigstellen, es wird ein Vorzeigeobjekt für Speyer werden", stellte Sebastian Johann seinen Ausführungen voran. Wir hatten gefragt: "Nach unseren Informationen sind heute, Mitte Mai 2018, eine Reihe von Wohnungen nicht bezugsfertig. Wie ist der Stand der Dinge?" Tatsächlich war in einem Zeitungsartikel von 2016 davon die Rede, dass nach Meinung der Investoren man in den Ludwigshöfen zu Weihnachten 2016 einziehen könne.
"Das Datum in dem Zeitungsartikel passt nicht", sagte Stefan Johann und sein Vater ergänzte: "Wir konnten das Objekt erst mit zeitlicher Verzögerung übernehmen, da wir der Freien Reformschule und JUMA Zeit ließen, sich neue Räumlichkeiten zu suchen."
Nach unseren Informationen wurde der 01. Mai 2017 als Einzugstermin in Aussicht gestellt - Gesamtfertigstellung auf den 01. September 2017 terminiert. Tatsächlich war am 20. Mai 2017 gerade mal Richtfest.
Einer der Wohnungskäufer hat von einem Anwalt der ZSI GmbH bestätigt bekommen: "...sollte das Projekt bis zum 01.04.2018 fertig gestellt sein", heißt es da wörtlich. Die Johanns nannten bei unserem Gespräch als neuen Termin der Gesamtfertigstellung Ende August/Anfang September 2018.
 
"Schmerzhafte Mehrkosten"
Derzeit seien 15 Wohneinheiten bezogen, acht weitere würden im Juni/Juli 2018 bezugsfertig sein.
Sebastian Johann räumte ein, dass die Bausubstanz einige unangenehme Überraschungen bereitete, die zu "schmerzhaften" Mehrkosten führten und darüber hinaus die Bauzeit verlängerten. Auch habe es Abstimmungsprobleme nach einem Wechsel beim Landesamt für Denkmalpflege gegeben. Die Nachfolgerin von Dr. Ulrich Kerkhoff, Landeskonservatorin Dr. Roswitha Kaiser, habe einige Dinge neu bewertet. Nach unseren Informationen war Dr. Kerkhoff bei Beginn des Projekts nicht mehr im Amt, da er 2014 in den Ruhestand ging.

Fehlende Balkone und abgerissenes Dachteil
Auch für noch fehlende Balkone seien "zahlreiche nachträgliche Auflagen der Landesdenkmalbehörde" die Ursache, worauf hin noch "statische Belange" berücksichtigt werden mussten.
Ursprünglich sei geplant gewesen, die Balkone an das Gebäude anzuhängen. Die Denkmalbehörde habe dann aber ein "Balkonregal" verlangt, um Altes von Neuem abzugrenzen, so die Investoren. Dieses müsse auf einem der Bürgerhospitalstiftung gehörenden Geländeteil errichtet werden, durch das Versorgungsleitungen laufen. Inzwischen seien alle Fragen geklärt und man dürfe bauen.
Unbestritten ist, dass ein denkmalgeschütztes Teil des Daches abgerissen wurde. Stefan Johann machte "missverständliche Zeichnungen" des Planungsbüros verantwortlich, die von der Bauleitung "falsch interpretiert" worden seien. Alle Vorwürfe, es seien Planungsfehler gemacht worden, wiesen die Johanns zurück. Das sei mit der Stadt inzwischen geklärt und vom Denkmalschutz abgesegnet. Auch habe es keine Auswirkungen auf die Sonderabschreibung der Kunden. Allerdings war durch diesen nicht genehmigten Abriss nach unseren Informationen mehrere Monate die Giebelseite zum Gebäudetrakt 4 offen gestanden, die Baustelle an diesem Tekturpunkt von Gebäude 3 zu Gebäude 4 eingestellt.

Handwerker mit Geldforderungen
Ganz anders sieht das Michael Franke, Inhaber des gleichnamigen Holzbau-Betriebs aus Kraichtal-Münzesheim, der die Holzarbeiten bei den Ludwigshöfen ausführte. "Seit die Kuttlers draußen sind, ist das Projekt komplett aus dem Ruder gelaufen", so der Handwerker zu unserer Zeitung. Er habe trotz Bedenken den Auftrag fertig ausgeführt, sich auf die Zusage von Johann Senior verlassen, dass er sein Geld bekomme. Bis heute seien 70.000 Euro nicht bezahlt worden, Klage sei eingereicht: "Die haben mich regelrecht abgeschlachtet", so Franke, der inzwischen Insolvenz anmelden musste.
Ein anderer Unternehmer nannte einen Betrag von 80.000 Euro, den er noch zu bekommen habe. Der gestand allerdings ein, dass es mit der Ausführung Probleme gegeben habe, die seiner Meinung nach einen solchen Einbehalt aber nicht rechtfertigten. Nachdem er eine Auskunft bei Creditreform eingeholt habe, werde er auf eine Klage erst einmal verzichten.
Man habe mit zwei Handwerkern Probleme, die nicht die erwartete Qualität geliefert hätten - mit den 96 restlichen Subunternehmen gebe es keine Probleme, so Sebastian Johann. Sorgen, das Projekt werde nicht zu Ende geführt, seien unbegründet, denn man verfüge über eine ausreichende Finanzdecke, um die zusätzlichen Belastungen zu stemmen – trotz der erheblichen Mehrkosten.

Große Pläne
Außerdem wolle man in Speyer noch einiges umsetzen. In diesem Zusammenhang betonten die Investoren die gute Zusammenarbeit mit den Behörden.
Auch im südpfälzischen Landau haben die Johanns noch Größeres vor. Unter dem Slogan "Auf zu neuen Ufern" soll dort das sogenannte "Ufer"-Projekt auf einem kompletten innerstädtischen Häuserquadrat realisiert werden, auf dem derzeit etwa 30 Gebäude stehen. Probleme in Speyer wären da sicherlich kontraproduktiv. (Fotos: ks)
 

 

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