BECHER UND DIE GEGENWART

VIDEOS

URLAUB UND FREIZEIT

MENSCHEN

LESERBRIEFE

MEIST GELESENE ARTIKEL

NATUR UND UMWELT

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

MODE UND LIFESTILE

SOCIAL-BOOKMARKING

Hinzufügen zu: Facebook Hinzufügen zu: Mr. Wong Hinzufügen zu: Webnews Hinzufügen zu: Windows Live Hinzufügen zu: Favoriten.de Hinzufügen zu: Linksilo Hinzufügen zu: Readster Hinzufügen zu: Linkarena Hinzufügen zu: Del.icoi.us Information

Anzeige

Erzieherin Anna Grohmann meint: "Neues Kita Zukunftsgesetz gefährdet Qualität meiner Arbeit und erhöht den Druck"
Drucken
LESERMEINUNGEN | LESERBRIEFE
Dienstag, den 06. November 2018 um 13:08 Uhr
"Wir wollen weniger Bürokratie, mehr Zeit für die Kinder, Zeit für die Ausbildung und Entlastung bei Leitungsaufgaben. Wir unterstützen Erzieherinnen und Erzieher durch zusätzliches Personal – beispielsweise Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter." So steht es im "Kita Zukunftsgesetz" des Landes. Erzieherin Anna Grohmann sieht das ganz anders und äußert sich in einen Leserbrief sehr kritisch: "Ich bin seit 2005 staatlich anerkannte Erzieherin und seit 6 Jahren Stellvertretende Leiterin einer Kindertagesstätte in Rheinland-Pfalz. Zu meinem Entsetzen stelle ich fest, in welcher Form manche das geplante Kita Zukunftsgesetz lobpreisen.

Daher möchte ich, zugegeben recht unverblümt, einmal die Sichtweise derer schildern, die das Vorhaben direkt betrifft und von denen die Umsetzung erwartet wird.
Mir ist durchaus klar, dass vom Rechnungshof da ein gewisser Druck ausgeht.
Aber möchten Sie den Kindern von Heute später mal erklären, dass man ihnen gerne eine qualitativ hochwertige, dem Kind zugewandte,  liebevolle, ganzheitlich ausgerichtete und sicherheitgebende Zeit in der Kita ermöglicht hätte, aber es dann doch wichtiger war, dass alles korrekt berechnet und in Normen passend zurecht "beschnitten" dokumentiert wurde?
Das neue Kita Zukunftsgesetz gefährdet nicht nur die Qualität meiner Arbeit als Erzieherin, es erhöht vorallem den Druck auf mich und meine Kollegen. Weder die hohe Krankheitsquote in unserem Beruf, noch die auserordentlichen Belastungen, die ohnehin schon die Arbeit erschweren, werden berücksichtigt. Ich kenne keine Kita, die genügend Platz und Raum für ein solches Vorhaben vorhalten kann.
Wie das Personal vorgehalten werden soll ohne bindende Arbeitszeiten erschliesst sich mir auch in keinster Weise. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Es geht mir nicht darum mehr Geld zu verdienen. Mir geht es darum, dass endlich Arbeitsbedingungen geschaffen werden müssen, die meine Kollegen und ich redlich verdient haben. Mit der Durchführung dieses völlig unzureichenden Gesetzesentwurf entziehen sie den Mitarbeitern in den Kitas Motivation und Freude am Beruf und beladen sie gleichzeitig mit Frust und Ängsten. Berufsneueinsteiger wissen nicht, was auf sie zukommt.
Ich lade die Verantworlichen herzlich dazu ein, eine Woche 8 Stunden täglich in einer Kita mitzuarbeiten, um sich einen wirklichen Eindruck der dort herrschenden Umstände machen zu können. Wir schieben keine Akten von Stapel zu Stapel. Wir arbeiten mit Menschen. Kleinen Menschen zugegeben, die jedoch genau so Rechte und individuelle Bedürfnisse haben, denen man dann gar nicht mehr gerecht werden kann. Sie entscheiden völlig über die Köpfe derer hinweg, die das am meisten trifft. Erzieherinnen und Erzieher lassen sich nicht 4-5 Jahre ausbilden, weil sie damit viel Geld verdienen und Kinder ganz gut leiden können. Sie erlernen diesen Beruf aus Überzeugung und Berufung, aus Freude an der Arbeit mit und für Kinder.
Wir tragen ein überaus große Verantwortung für die Zukunft unserer Gesellschaft. Wir bilden, behüten, betreuen und begleiten tagtäglich das wichtigste Gut. Wir tun das voller Inbrunst, trotz unzureichender Budgets, ständig kranken Mitarbeitern, beengten Räumlichkeiten, trotz steigenden Ansprüchen der Elternschaft und der Träger. Auch wir sind nur Menschen. Und Menschen verlieren ihren Glauben an das Gute und ihre Widerstandskraft gegen Druck und Stress, wenn ihre Bemühungen, ihr Engagement und ihr unerschütterlicher Einsatz weder wahrgenommen noch gewertschätzt wird. Warum fragt uns denn Niemand? Wir hätten mit Sicherheit fundierte Ideen und Vorschläge und wir könnten praxisnah die Grenzen aufweisen. Bildung ist Zukunft. Aber ich fürchte, dass diese bei der geplanten Massenabfertigung, der enormen Arbeitsverdichtung und den Berechnungen nach Plätzen schlichtweg auf der Strecke bleibt. Demotivierte Pädagogen sind keine leistungsstärkeren Arbeitnehmer.
An alle, die da begeistert und voller Zuversicht zur Einführung dieses Gesetzes stehen, kann ich nur antworten: Woher wollen Sie auch nur den Hauch einer Ahnung haben, wie wir unseren Beruf besser und effektiver ausüben können?
Wer kam denn bitte auf die glorreiche Idee,  den Personalschlüssel eines Zweijährigen dem eines Dreijährigen gleichzustellen?
Jeder der von kindlicher Entwicklung, Entwicklungspsychologie und Bindungsaufbau auch nur im Ansatz belesen ist, sollte spätestens hier vor Verwunderung vor solcher Weltfremdheit tremorgefährdet sein.
Als "eierlegende Wollmilchsäue" sollen wir nun auch noch unter Wasser atmen lernen?
So, liebe Herrschaften, kommen wir sicher nicht weiter. Leider sind wir keine Dachdecker und können uns daher nicht aussuchen an welcher Seite wir beginnen. Auch nicht, wenn ein Gesetz uns das so vorschreiben will.
Ich liebe meinen Beruf und lebe ihn mit Leib und Seele. Aber nur solange ich das unter Umständen tun kann, die mein Gewissen zulässt und ich nachts noch ruhig schlafen kann."

Hinweis: Die in Leserbriefen geäußerten Meinungen decken sich nicht unbedingt mit der Meinung der Redaktion. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen.

 

Kommentare können erst nach einer Anmeldung auf unserer Seite abgegeben werden.
Neue Einträge werden erst nach Freischaltung sichtbar.

Video DONNERWETTER

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite.