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"Alter Hammer": Von der "Beißzang" zum modernen Gastronomiebetrieb - Speyers älteste Gartenwirtschaft ist 100 Jahre alt
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AKTUELLES | NEUE MELDUNGEN
Samstag, den 09. Februar 2019 um 09:42 Uhr
Es ist das Lokal mit dem wohl ältesten Biergarten in Speyer und seit einem Jahrhundert Inbegriff für gemütliches Einkehren unter dem Blätterdach mächtiger Bäume direkt am Rhein - der "Alte Hammer". Als die Großeltern von Franz Hammer, dem heutigen Besitzer der ehemaligen "Villa Flörchinger" das von der Rheinbrücke aus weithin sichtbare und so etwas wie ein weiteres Wahrzeichen der Domstadt, zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtete Gebäude 1918 erwarben, eröffnete Großmutter Elisabeth Hammer im Namen ihres Mannes eine Straußwirtschaft.

Großvater Franz Hammer war Schiffsführer und fuhr ein Öltankschiff, die MS "Grünwinkel", auf der Strecke Karlsruhe - Rotterdam. Mit seiner Ehefrau Elisabeth hatte er elf Kinder - das jüngste war Richard, der Vater von Franz Hammer.
Mit elf Kindern war das Leben für Elisabeth auf dem Schiff nicht mehr zu meistern und so beschlossen die Hammers, eine Gastwirtschaft zu eröffnen.
Nach einem Jahr Straußwirtschaft betrieben sie ab 1919 eine Wirtschaft mit einer Vollkonzession und nannten sie "Zur Schiffbrücke", da sie in der Nähe der Schiffsbrücke stand.
"Obwohl die Wirtschaft auf den Namen meines Opas lief war die Oma, obwohl später fast blind, die Geschäftstüchtigere und die Chefin", so Enkel Franz Hammer bei einen Pressegespräch anlässlich des Jubiläums 100 Jahre "Alter Hammer". Die Geschäftstüchtigkeit von Oma Elisabeth war legendär, grenzte sie an Geiz: "Im Lokal stand ein Pianola, bei dem man zehn Pfennig einwerfen musste, damit es spielte und wenn jemand nur neun Pfennige zusammenbrachte gab sie ihm keinen Zehner." Wegen ihres Geizes und ihrer scharfen Zunge bekam sie von den Speyerern den Spitznamen "Beißzang" "Im Volksmund hieß es noch lange "wir gehen zur Beißzang", wenn von einem Besuch in der Gastwirtschaft die Rede war", so ihr Enkel.
Nach dem zweiten Weltkrieg 1948 übergaben die Großeltern die Wirtschaft an ihren jüngsten Sohn Richard (geb. 1912). Aus seiner ersten Ehe ging Tochter Helga hervor. Er heiratete in zweiter Ehe seine Frau Maria (sie brachte eine Tochter und einen Sohn mit in die Ehe). Mit Maria hatte Richard vier Kinder: Elisabeth, Franz (geb. 1954), Erika und Richard.
"Wir Kinder mussten alle mithelfen, hatten unsere festen Aufgaben, zunächst beim Eisverkauf, später im Büffetdienst oder im Service. Die Küche wurde von Maria unter Mithilfe ihrer Mutter geführt. Beim Bau der neuen Rheinbrücke in den frühen 50er kochte Maria täglich für die Brückenarbeiter."
Im Gegensatz zu seinem Vater sei Richard ein Alleinherrscher in seiner Wirtschaft gewesen. Sein Stuhl stand am oberen Ende des ovalen Stammtisches und wurde als "Schleudersitz" bezeichnet. Ahnungslose, die sich auf diesen Platz setzten, bekamen das zu spüren.
In den 60er Jahren war die "Schiffbrücke" nach Feierabend (nach 23 Uhr) beliebte Anlaufstelle für die Besatzung der Passagierschiffe der Köln-Düsseldorfer Reederei. Vom Kapitän bis zum Schiffsjungen traf man sich zu bunten Abenden. Die schiffseigene Bordkapelle spielte zum Tanz auf, und berühmte Gäste, etwa Vico Torriani, gaben sich ein Stelldichein.
Weitere prominente Gäste waren Helmut Kohl, Kurt Beck, der Formel 1 Rennfahrer David Coulthard und auch Richard Lugner, bekannter als "Mörtel" Lugner, ein Wiener Baulöwe, berühnt für seine Auftritte mit engagierten jungen, berühmten Frauen, beim Wiener Opernball.
"Für uns Kinder bot der Kontakt zu den Schiffen ein lukratives Geschäftsmodell denn die Gäste, die in Speyer zustiegen, konnten ihr Gepäck in der Gaststätte unterstellen. Meine Geschwister und ich fuhren dann die Koffer rechtzeitig zum Schiff und kassierten dafür meist ein üppiges Trinkgeld. In der Regel gaben die Amerikaner 5 Mark, die Engländer 50 Pfennige. Schon im Vorhinein wurde unter den Hammer-Kindern ausgelost, wer das Gepäck der Amerikaner befördern durfte und wer das der Engländer", erinnerte sich Franz Hammer.
Die Eltern Richard und Maria, inzwischen 60 Jahre alt, verpachteten ab 1972 die Wirtschaft für 20 Jahre an die Eichbaum Brauerei. Ursprünglich wurde Schwartz-Storchen Bier ausgeschenkt und nach dem Übergang an die Eichbaum-Brauerei bis heute das Mannheimer Bier.
Angedacht war, dass nach diesen 20 Jahren die älteste gemeinsame Tochter Elisabeth das Lokal übernehmen sollte. Sie war Restaurantfachfrau und arbeitete in namhaften Restaurants und Hotels. Leider wurde dieser Plan vom Schicksal durchkreuzt, Elisabeth starb bei einem Autounfall 1976.
Nachdem es mit den Pächtern nicht allzu gut gelaufen sei und vor allem der letzte das Lokal heruntergewirtschaftet hatte, entschlossen sich Franz Hammer und  seine Frau, damals noch im Studium, 1980 das Lokal selbst wieder zu führen. "Wir waren ziemlich blauäugig, dachten, wir machen das wenige Jahre, verdienen Geld und studieren dann fertig."
Allerdings stand dieser Neubeginn unter keinem guten Stern, denn es war ein verregneter Sommer mit geringen Umsätzen. "Ein Glücksgriff war die Einstellung des Küchenchefs Klaus Breining. Er trug durch seine Kochkünste und nicht zuletzt durch die Erfindung des "WuPo" (Wurstsalat mit Pommes) dazu bei, das Niveau des Lokals ständig zu steigern.
Nach vier Jahren wurden die alten Räumlichkeiten modernisiert und umgebaut, immer unter der Prämisse des Denkmalschutzes.
Nach dem Umbau habe der Erfolg nicht lange auf sich warten lassen. Es bildete sich eine treues Speyerer Stammpublikum heraus, das sich bis zum heutigen Tag gerne einfindet.
Nach 25 Jahren Gastronomie übergab Franz Hammer das Lokal an die Krebs-Gaststätten-Betriebs GmbH mit der jetzigen Geschäftsleitung Geraldine Krebs und Peter Roth - ein Glücksgriff, denn der "Alte Hammer" hat sich unter ihrer Regie weiterentwickelt, beschäftig ganzjährig 20 Mitarbeiter und im Sommer bis zu 100 Personen meist im Service, der für seine Effizienz weithin bekannt ist.
Nach einem Brand 2013 wurde ein Wintergarten angebaut, so dass das Lokal neben den 380 Außenplätzen 86 Innensitze hat. Das seien allerdings etwas wenig für den Personalstand, so dass man damit liebäugle, in der Art des Wintergartens zu erweitern, so Peter Roth zur Zukunft.
Nach der Sommersaison sei im Oktober ein Jubiläumsfest angedacht. (ks/Fotos: privat)

 

 

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